Erleben und Erlebnis bei Alfred
Brunswig
(1877-1927)
(1910) Das Vergleichen
und die Relationenerkenntnis.
(1921) Einführung in die Psychologie.
Originalrecherche von Rudolf Sponsel, Erlangen
Inhaltsübersicht:
Signierungen und Signierungssystem.
Checkliste definieren.
Bisher ausgearbeitete
Definitionen elementarer Dimensionen des Erlebens.
Checkliste-Beweisen.
Methodik-Beweissuche in der Psychologie.
Signierung von Beweiserwähnungsbeurteilungen.
Beweissuchwortkürzel.
Literatur, Links, Glossar,
Anmerkungen und Endnoten, Querverweise,
Copyright
und Zitierung, Änderungen
1910-Z1-Fundstellen Suchtexte
erleb, erlebt(e,n), erleben und Erlebnis
Das Vorwort hat eine, das Inhaltsverzeichnis hat drei und der Text
hat 186 Seiten. Darin fanden und verteilten sich die Suchtexte erleb, erlebt(e,n),
erleben und Erlebnis wie folgt:
Titel 0
Inhaltsverzeichnis
erleb 0
elebt(e,n) 0
erleben 0
Erlebnis 2
Sachregister nicht vorhanden.
Text
erleb 311
elebt(e,n) 20
erleben 19
Erlebnis 254
Anmerkung: Die Summe erleb, erlebt, Erlebnis ergibt
293, 18 sind mithin nicht aufgeklärt.
1910-Z2-Ausgewertet wurden die Fundstellen im Vorwort, Inhaltsverzeichnis und die ersten 32 Textseiten und der Reihe nach durchnummeriert [1] bis [32]. In den 32 Fundstellen sich keine Erklärung, Erläuterung oder gar Definition der Suchtexte erleb, erlebt(e,n), erleben oder Erlebnis, auch nicht durch Querverweise, Fußnote oder Literaturhinweis. Danach wurde abgebrochen, weil ich davon ausgehen, dass wichtigere Bgegriffe an den ersten Stellen ihrer Gebrauchs erklärt, erläufterz oder definiert werden sollten. Ist das nach 32 Fundstellen in 36 Seiten (Vorwortt, Inhaltsverzeichnis, Textteil) nicht der Fall, rechne ich auch in weiteren Fundstellen nicht mehr damit. Sämtliche Fundstellen wurden der Reihe nach mit ihrer Textumgebung dokumentiert, so dass sich jeder selbst ein Bild davon machen kann.
1910-Z3-Zahlreiche Spezifikationen werden auch nicht erklärt: ruhiges Erlebnis, eigenartiges Erlebnis, Gefühlsrlebnis, Übergangserlebnisse, primäre Erlebnisse, Empfindungserlebnisse.
1910-Z-Fazit Nach der hier angewwandten Methode der Textanalyse werden die Fundstellen bis zum Abbruch lückenlos erfasst. Man darf annehmen, dass wichtigere Begriffe einer wissenschaftlichen Arbeit bei den ersten Erwähnungen definiert oder näher erläutert werden (Grundregeln Begriffe) wenigstens in Fußnote, Anmerkung, Querverweise oder Literaturhinweis. Das sollte hier bei den ersten 32 Fundstellen auf den ersten 36 Seiten der Fall sein. Da man erwarten darf, dass wichtigere Begriffe dort definiert oder erläutert werden, wo sie die ersten Male verwendet werden (Regeln Grundbegriffe, Begriffsbasis, Aristoteles Zum Geleit), habe ich mich auf die ersten zz Erwähnungen der ersten 1+2+32 Seiten beschränkt. In keiner der 32 Erwähnungen wird erleben definiert oder näher erläutert, auch nicht durch Fußnote, Anmerkung, Querverweis oder Literaturhinweis. Ich nehme an, was bis dorthin nicht erklärt und geklärt wird, wird es auch weiterhin nicht geklärt werden. Zahlreiche Spezifikationen werden auch nicht erklärt: ruhiges Erlebnis, eigenartiges Erlebnis, Gefühlsrlebnis, Übergangserlebnisse, primäre Erlebnisse, Empfindungserlebnisse.
Inhaltsverzeichnis
Urteile gestützt auf Nebenerlebnisse
[1910-1] beim zweiten Objekt 94
IV. TEIL. SPEZIELLE PHÄNOMENOLOGIE DER RELATIONSERLEBNISSE
[1910-2] 115
2: "Nun kann es zwar gerade bei dem eiligen Verfahren und der ab-
gekürzten Ausdrucksweise experimenteller Versuche leicht scheinen,
als
läge in einem Urteil wie „schwerer!“ wirklich eine bloße
Lautreaktion
vor; aber man vergegenwärtige sich doch einmal den Tatbestand
bei einem
ruhigen Erlebnis [1910-3] zum Zweck
phänomenologischer Analyse, und man wird
erkennen, daß die obige Darstellung vom vollen Urteil nur das
Aller-
äußerlichste angibt, seinen eigentlich psychischen Kern
aber übersieht."
RS: ruhiges Erlebnis nicht erklärt.
3: "Wir jedoch dürfen um solcher Vorurteile willen nicht den eigen-
artigen Tatbestand erlebter [1910-4]
psychischer Akte preisgeben und können
uns dabei nicht nur auf die phänomenologischen Analysen HUSSERLS,
sondern auch auf Versuche , wie sie K. BÜHLER und andere neuerdings
angestellt haben, berufen. Es regt sich ja jetzt ziemlich allgemein
die
Erkenntnis, daß hier ein lange übersehenes Stück psychischer
Wirklich-
keit zur Wiederentdeckung gekommen ist."
4.1-4: "Anders dagegen steht es um folgende Meinung: Mit der Behauptung,
zwischen den Objekten A und B bestehe das Verhältnis N, meinten
wir nichts anderes und könnten gar nichts anderes meinen, als
daß
wir beim Übergang unserer Aufmerksamkeit von A zu B ein eigen-
artiges Erlebnis
[1910-5] verspürten. „B ist verschieden von A", heiße: man er-
lebt [1910-6] eine Unterschiedsempfindung,
wenn man das eine nach dem andern
betrachtet ; „B ist ähnlich A" sei nur eine Umschreibung für
die Tat-
sache, daß wir beim Übergang von A zu B ein eigentümliches
Gefühls-
erlebnis [1910-7] hätten.
Denn etwas anderes sei ja nicht erlebt
[8], nicht „ gegeben", und nur
Gegebenes könnten wir doch mit unsern Urteilen meinen !"
RS: eigenartiges Erlebnisse nicht erklärt.
RS: Gefühlsrlebnis nicht erklärt.
Demgegenüber besteht nun aber bei vielen Psychologen eine Ten-
denz, den Sinn des Verhältnisurteils aus gewissen Rücksichten
umzu-
deuten und zwar 1. in eine Aussage über psychische
Erlebnisse [1910-9].
RS: psychische Erlebnisse nicht erklärt (gibt
es andere?)
5.1-3: "Man darf nicht aus seinen Vorurteilen heraus deduzieren wollen,
was das Urteil allein meinen kann, sondern muß zusehen , was
es
tatsächlich meint. Ist dies mehr, als man für gegeben ansieht
, so
liegt eben ein Problem und ein Anlaß zur Nachprüfung der
Voraus-
setzungen über das als Urteilsgrundlage Gegebene vor. Mögen
also
solche „Übergangserlebnisse"
[1910-10] vorliegen, ja, mögen sie das allein Ge-
gebene sein; nicht ihr Vorhandensein ist es, das wir im Verhältnis-
urteil behaupten. Wir behaupten in ihm das Bestehen eines Verhältnisses
der Ähnlichkeit, Verschiedenheit usw. zwischen zwei Objekten ,
wir be-
haupten aber damit ganz und gar nichts vom Bestehen eines Übergangs-
erlebnisses [1910-11], das wir bei
ihrer sukzessiven Auffassung verspürten.
Beide Behauptungen sind evidentermaßen grundverschieden. Einen
Unterschied behaupten, heißt nicht: eine Unterschiedsempfindung
kon-
statieren. Wir sagen im Urteil etwas über die Objekte, nicht etwas
über unsere psychischen Erlebnisse
[1910-12] aus ; diese letzteren gibt unser
Urteil nur unwillkürlich als „signum manifestativum" kund."
RS: Übergangserlebnisse nicht erklärt.
5 "rteile von der folgenden Form : „ Dieser Unterschied ist kaum
merklich; jenen erkenne ich sehr deutlich" sagen allerdings auch etwas
über psychische Erlebnisse
[1910-13] aus , nämlich über das Erkennen der Ver-
hältnisse ; aber auch sie wollen damit nur diese Verhältnisse
indirekt
kennzeichnen , diese sind auch hier das eigentlich Beurteilte."
9 "Nachdem sich uns das Vergleichsurteil durch die Analyse seines
Bedeutungsgehalts näher bestimmt hat, untersuchen wir die Art
seines
Hervorgehens aus den Erlebnissen
[1910-14] im Vergleich , aus der Vergleichs-
erfahrung."
10.1-2: "Ebensowenig also wie das Urteil eine bloße Lautreaktion
ist, ist es
bloß reproduziert durch ursächliche Momente. Es ist vielmehr
ein über-
zeugtes Meinen, das sich bewußt auf die Vergleichserfahrung gründet
und aus ihr seine Sicherheit schöpft. Wer das Urteil erklären
will, hat
also auch zu zeigen, wie auf Grund der gegebenen Erlebnisse
[1910-15] ein solches
Begründungsbewußtsein möglich ist! Die Rede von einfacher
Auslösung
von Urteilsausdrücken wäre eine Verstümmelung der vollen
Wirklichkeit
und würde die tieferen Probleme übersehen , weil sie den
feinern
phänomenologischen Bau des zu Erklärenden nicht erkennt.
Die Tatsache des bewußten Begründungszusammenhangs
zwischen
Vergleichserlebnis [1910-16] und
Urteil legt schon hier eine Folgerung nahe :
Wo auf eine Vergleichserfahrung sich überzeugte Urteile stützen
, da
werden auch in ihr Momente gegeben sein, die ein solches Urteil hier
auch logisch gewiß oder wahrscheinlich machen.
RS: Vergleichserlebnis nicht
erklärt.
11.1 "Daß die bewußte nennende Beziehung eines Namens auf
eine wahr-
genommene Sache nicht identisch ist mit einem bloßen assoziativen
Nach- oder Nebeneinander im Bewußtsein, dürfte jetzt nach
HUSSERLS
Analysen wohl klar sein. Schon v. KRIES („Das absolute Gehör"
Zeit-
schrift für Psychologie 3) hatte darauf hingewiesen, daß
die Assoziations-
psychologie fälschlich dieser ihr unfaßbaren Beziehung einen
solchen
äußerlichen Zusammenhang substituiert. Ich richte mich mit
dem nen-
nenden Wort meinend auf die Sache; erlebe
[1910-17] nicht bloß ein äußer-
liches Beisammen."
11.2-3 "4. DIE IN DER VERGLEICHSERFAHRUNG GEGEBENEN INHALTE .
Das Verhältnisurteil schöpft seine Gewißheit aus dem
Erlebnis
[1910-18] des
Vergleichens ; welcher Art sind die in diesem Erlebnis
[1910-19] dem Urteilenden [>12]
gegebenen Inhalte, und wie verhalten sie sich zu den im Urteil ver-
glichenen Gegenständen?
12.1-4 "Zunächst kommen dann, wenn wir Farben, Gewichte
usw. vergleichen,
zumeist nicht Empfindungs- , sondern Wahrnehmungserlebnisse
[1910-20] in Be-
tracht. Nicht aber diese Erlebnisse
[1910-21] sind als das uns Gegebene zu be-
zeichnen, sie sind nur vorhanden , erlebt [1910-22],
sondern das in ihnen
als wahrgenommen , als erfaßt sich Darstellende , die Wahrnehmungs-
RS: Wahrnehmungserlebnisse nicht erklärt.
(oder eventuell Empfindungs-) Inhalte bzw. Gegenstände.
Die Erlebnisse
[1910-23] sind natürlich notwendig psychisch und subjektiv,
die Inhalte dagegen nicht. Was alles uns als wahrnehmbarer Inhalt
gegeben sein kann , kann nicht physiologisch deduziert, sondern nur
phänomenologisch konstatiert werden. Dann zeigt sich aber, daß
wir
nicht nur Farben , Töne , sondern auch Tastinhalte wie Schwere
, Härte
als objektive physische Qualitäten unmittelbar wahrnehmen."
19 "Mag es auch tatsächlich in Einzelfällen vorkommen, daß
zwei Inhalte,
die an sich nicht in einer komparativ ausdrückbaren Verschiedenheits-
beziehung stehen , auf einem Umwege den Anschein einer solchen
für uns erhalten, wie könnte allgemein und primär etwas
derartiges
möglich sein , wenn nirgendwo solche Inhalte selbst unmittelbar
als
in einem Steigerungsverhältnis stehend erfaßt würden?
Der Schein setzt
doch psychologisch notwendig eine schon irgendwo erfahrene Wirklich-
keit voraus, die er eben vortäuscht und nachahmt! Wie kann ich
auch
nur den „Eindruck" haben, ein Schmerz sei „ stärker" als ein anderer,
wie hier auf die Idee eines Stärkewachstums kommen, wenn mich
die
Wirklichkeit immer nur Schmerzen erleben
[1910-24] äßt, die zueinander
bloß in unsagbaren , nicht als Steigerung sich darstellenden
Ver-
schiedenheitsverhältnissen stehen? Eine qualitative Änderung
und
räumliche Ausbreitung einer Schmerzempfindung aus Bequemlichkeit
als
Stärkezunahme der anfänglichen qualitativ gleichbleibend
gedachten zu
fassen , kann mir nur dann in den Sinn kommen, wenn das letztere
Phänomen mir irgendwo wirklich selbst gegeben ist!"
21f.1-3 "Eine nähere Untersuchung dürfte sogar zeigen, daß
das Erlebnis [1910-25] der
rein qualitativen Steigerung das ursprünglichere ist. Auch die
Steigerung
22I. Teil. Voruntersuchungen. Das Problem der qualitativen Steigerung.
wirklicher „Größen“ , z. B. das Längersein einer von
zwei gesehenen
Strecken, nehmen wir ursprünglich als eine qualitative Steigerung
wahr und
nicht als ein quantitatives Wachstum, bzw. als eine Vermehrung der
in
der zweiten Strecke enthaltenen Einheiten. Das primäre
Erlebnis [1910-26] von
Längensteigerung enthält von letzterem noch nichts, ist aber
gleichwohl
schon ein Erlebnis [1910-27] von
Steigerung."
RS: primäre Erlebnisse
nicht erklärt.
31.1-2 "So stützt sich z. B. nach SCHUMANN beim Vergleich kurzer
Zeitstrecken
das Urteil „kürzer" auf den bei der zweiten Zeitstrecke erlebten
[1910-28]
Neben-
eindruck der Überraschung ; nach G. E. MÜLLER beim Gewichtsvergleich
das
Urteil „ schwerer" auf den absoluten Eindruck der Schwere , den das
zweite Gewicht macht; das Urteil „gleich" beim Vergleich von Tönen
kann
nach WHIPPLE bedingt sein durch einen eigentümlichen Vertrautheits-
charakter des Vergleichstones.
Verwandt hiermit ist die Ansicht, daß die
letzte Grundlage der
Sukzessivvergleichsurteile eigenartige Gefühls- oder Empfindungs-
erlebnisse [1910-29] seien, die
beim Übergang der Aufmerksamkeit von einem
Objekt zum andern eintreten sollen und von dem tatsächlichen Ver-
hältnis zwischen den Objekten funktionell in ihrer wechselnden
Eigen-
art abhängen , ohne jedoch selbst eigentliche Verhältniswahrnehmungen
zu sein. So sollten Gleichheitsgefühle dem Gleichheitsurteil zugrunde
liegen, Unterschiedsempfindungen die Behauptung von Verschiedenheit
bedingen."
RS: Empfindungserlebnisse nicht erklärt.
32 "Denn das resultierende Urteil behauptet ja nicht bloß etwa:
Beim
zweiten Objekt wird ein Nebeneindruck oder ein Übergangserlebnis
erlebt [1910-30], sondern es behauptet,
eventuell gestützt auf solche Eindrücke :
Zwischen beiden Objekten besteht das und das Verhältnis z. B.
„Zeit-
strecke B ist kürzer als A." Mag man nun das Urteil sich bewußt
„stützen" lassen auf den Nebeneindruck, oder mag man es sich durch
denselben bloß kausal „ausgelöst" denken , immer sind vermittelnde
Erlebnisse [1910-31] vorausgesetzt,
die an einen solchen Nebeneindruck ein solches
Urteil knüpften. Daß der Nebeneindruck tatsächlich
von dem vorhandenen
Verhältnis abhängt und ein Symptom desselben ist, nützt
dem Urteilenden
ja nur dann etwas, wenn ihm dieser Zusammenhang durch Erfahrung
geläufig ist. Nur dann, wenn die Abhängigkeit des Nebeneindrucks
vom Bestehen eines solchen Verhältnisses erfahren wurde, kann
sich
eine Assoziation zwischen ihm und dem entsprechenden Urteil bilden,
nur dann kann er als Grund der Gewißheit ein überzeugtes
Urteil stützen.
Zusammenfassung Brunswig
1921
1921-Z1 Das Digitalisat wurde
nach den Suchtexten "erleb (138), erlebt(e,en) (21), erleben (21) und Erlebnis
(89) durchsucht.
Gesucht wurde nach Download von 131 Fundstellen waren mit NuancePowerPDF
auffindbar. Es wurden die erster 24 Fundstellen lückenlos der Reihe
nach auf den ersten 41 Seiten erfasst. Nach der hier angewwandten
Methode
der Textanalyse werden die Fundstellen bis zum Abbruch lückenlos
erfasst. Man darf annehmen, dass wichtigere Begriffe einer wissenschaftlichen
Arbeit bei den ersten Erwähnungen (Regeln
Grundbegriffe, Begriffsbasis,
Aristoteles
Zum Geleit), habe ich mich auf die ersten 24 Erwähnungen der ersten
41 Seiten beschränkt. Vergleichen mit der Arbeit von 1910 gibt es
Fortschritte in den Ausführungen zum Erleben.
1921-Z2
Fundstellen im Titel, Inhaltsverzeichnis und Text (Sachregister nicht vorhanden):
1921-Z3 Kommentierte
Erfassungen
1921-Z-Fazit Gegenüber der
Relationenvergleich 1910 gibt es deutliche Fortschritte zum Erlebensbegriff
mit näheren Bestimmungen z.B. S. 18 "... das Psychische ist
derartiges wie Freude, Gedanke, Entschluß; ..." oder S. 22
"Ich erlebe meine Leiden und Freuden" gehe darin auf, ohne ein weiteres
gegenständliches Bewußtsein meines Zustandes". Hier gibt es
sogar eine Nähe zu Lipps. Diese Stelle beschreibt Erleben im engeren
und eigentlichen Sinne. Aber die grundlegende Unterscheidung zwischen gegenständlichem
Erleben und echtem eigentlichen Erleben (Lipps 1907) erwähnt er nicht,
was mich verwunderte, weil er doch bei Lipps promoviert hat. B. formulierte
auch einige Spezifikationen oder Thesen z.B. S. 22: These "alles ursprüngliche
Seelenleben als ein unbewußtes", spricht auch S.24 von "vorpersönlichen,
ichlosen Seelenlebens" oder S.26 von "umuittelbarem erleben". S. 32 problematisiert
problematisiert B. die Selbstbebachtung, die auch S. 33 für steigerungsfähig
hält, nachvollziehbar; aber er hält Selbstbeobachtung bei Erleben,
in dem man aufgeht, nicht für möglich. B. posutliert und anerkennt
gleichzeitige Erlebnisse und gibt als Beispiele leichten Zahnschmerz oder
Ärger an. S. 41 berichtet B. dass er sich sein Studienmaterial selbst
erzeugt, allerdings ohne Belege oder beispielhafte Berichte. Und er fordert
völlig richtig: "Und so bei jeder Frage der Psychologie immer wieder
praktisch das Erlebnis sich vorzuführen, ist Pflicht jedes gewissenhaften
Forschers. Die experimentelle Psychologie macht dies im Grunde selbstverständliche
Verfahren mit Recht zur ausdrücklichen Forderung an jede wissenschaftliche
Psychologie."
11: "... Uns
Neueren ist aber Psychologie ausdrücklich Erfahrungswissenschaft,
nicht Metaphysik; ihr Gegenstand ist uns nichts Jenseitiges und Problematisches,
sondern liegt zweifelsfrei und
offen vor uns ausgebreitet: es ist das seelische
Leben selbst, dessen wir Menschen zum mindesten
uns aus unserem eigenen innern Erleben [1921-1]
mit absoluter Gewißheit bewußt sind, während
über die Existenz der Seele als eines besonderen
vom Leibe verschiedenen Wesen vorerst
jedenfalls Zweifel bestehen."
12: "... Das seelische Leben ist durch seine unmittelbar
erlebte Eigenart [1921-2]
und
nicht etwa erst als Leben
jener metaphysischen Seele bestimmt."
16: "Von innen erlebt [1921-3]
ist
der Gedanke
eben doch wesensverschieden von dem ihm
entsprechenden Nervenprozeß, als von außen [>17]
gesehenem.
18.1-3 "Zudem ist es irreführend,
die Farben usw., die wir an den Körpern
wahrnehmen, selbst als Empfindungen
und somit als Psychisches anzusprechen, nicht
die bloße Farbe, sondern das Erlebnis des
Empfindens [1921-4]
der
Farbe, ist ein wirklicher psychischer
22.-1-2 "In diesem höheren Sinn ist Bewußtsein =
Gegenstandsbewußtsein. Ich bin mir einer
Sache, z. B. einer seelischen Regung in mir
bewußt, heißt dann: ich als wissendes Subjekt
beziehe mich wissend auf diese Sache, die ich
dabei als Objekt meines Wissens von mir unterscheide.
Dieses höhere gegenständliche Bewußtsein
habe ich keineswegs von vornherein
all meinen eigenen innern Zuständen und Erlebnissen
[1921-7]

gehe darin auf, ohne ein weiteres gegenständliches
Bewußtsein meines Zustandes. Insofern
wäre also alles ursprüngliche Seelenleben als
ein unbewußtes zu bezeichnen; freilich als ein
nur relativ-unbewußtes, d.h. als nicht einem wissenden
Subjekt als Objekt bewußt; es bleibt
aber immer in jenem elementaren Sinn ein Leben
des Bewußtseins selbst. "
24: "Es gibt eine Stufe vorpersönlichen, ichlosen
Seelenlebens, dem überhaupt jene uns
vertraute Bezogenheit aller Erlebnisse [1921-9]
auf
ein
Ich oder Subjekt als sie alle wissenden Mittelpunkt
noch fehlt; ein allgemeines diffuses
Weben in seinen Zuständen (annähernd etwa
beim Einschlafen, in völliger Zerstreutheit ...)."
26 "... Kann sich die
Psychologie bei diesem, anscheinend unmittelbar
erlebten [1921-10],
engen Zusammenhang, ja dieser [>27]
29f.1-4 "Das seelische Leben in seiner reinen Innerlichkeit
ist, im Unterschied von physischen Objekten,
nur dem allein unmittelbar zugänglich,
der es selbst lebt; ein und derselbe seelische
Vorgang kann nicht zugleich von mehreren
Personen beobachtet werden, wie etwa ein
chemischer Prozeß, sondern nur von demjenigen,
in dem er sich abspielt. Somit ist Selbsterleben
[1921-11]
und Selbstbeobachtung seines Erle- [>30]
bens [1921-12] der
einzige direkte Weg zur Erkenntnis
des Psychischen, die Erkenntnisquelle desselben
schlechthin. Das ist einerseits ein Vorzug:
jeder trägt in sich selbst sein Forschungsobjekt
mit sich herum, braucht nicht anderweit
zu suchen. Andrerseits aber eine Schwierigkeit
schon insofern, als eben nur er allein sein
inneres Erlebnis [1921-13]
unmittelbar
beobachten kann,
niemand anderer so wie er in ihn hineinschauen
kann, somit die gemeinsame, sich gegenseitig
ergänzende und berichtigende Beobachtung
durch mehrere Forscher hier zunächst fehlt.
Somit hat alle direkte Erkenntnis des innern
Lebens notwendig etwas ausschließlich Subjektives.
- In seinen Äußerungen ist allerdings
auch das Psychische Mehreren gemeinsam zugänglich,
aber die reine Innerlichkeit desselben
kann aus den Äußerungen Anderer nur erschlossen
werden und seht ein gewisses Maß
von aus eigenem Erleben [1921-14]
gewonnenen
Verständnis
des Psychischen schon voraus. Nur
die wissenschaftliche Zusammenarbeit, die
gegenseitige Ergänzung und Kontrolle der
Selbstbeobachtungsergebnisse vieler Forscher,
kann diese unvermeidliche Subjektivität der
ursprünglichen Erkenntnis des Psychischen
wahrhaft überwinden."
31f.1-5 "Zur ursprünglichen Wirklichkeit des Psychischen
gehört ja nicht dies, gegenständlicher
Bewußtseinsinhalt, geschweige denn Beobachtungsobjekt
zu sein. Seine ursprüngliche Wirklichkeit
ist sein Gelebtsein. Auch die Seelenvorgänge,
in denen wir uns der Gegenstände
bewußt sind, sind selbst nicht schon gegenständlich
bewußt. Das bloße Durchleben seiner
Diese Reflexion auf sich ist dauernd gleichsam
auf dem Sprunge. Sie kann die Gegenwart
eines Erlebnisses [1921-15]
gleichzeitig
begleiten
oder ihm unmittelbar zeitlich nachfolgen.
Durch sie erst gibt es überhaupt die Möglichkeit
eigentlichen Wissens von unsern innern
Zuständen; durch sie weiß auch schon der psychologisch
Ungeschulte von seinem seelischen [>32]
Leben und versteht er die gewöhnlichsten psychologischen
Ausdrücke.-
Allein auch dieses gegenständliche, reflexive
Bewußtsein seiner seelischen Zustände ist noch
nicht eigentliche Selbstbeobachtung, d.h.
aufmerksame Betrachtung seiner Erlebnisse [1921-16]
in
33.1-2 "Aber die eigentliche Selbstbeobachtung seiner
gleichzeitigen Erlebnisse [1921-20]
hat
zum Glück
gar nicht jene ausschlaggebende Bedeutung,
die ihr namentlich psychologische Neulinge
anfangs beilegen; ja, sich dauernd gleichsam
auf frischer seelischer Tat ertappen wollen, bedingt
eine Hemmung oder Verfälschung des
naturwüchsigen Seelenlebens und geht wohl
durch die Beobachtung selbst erst erzeugte
Phänomene an seine Stelle; gereicht also n. U.
nicht nur dem Psychologen als Menschen, sondern
auch seiner Psychologie zum Nachteil.
Grundlegend bleibt vielmehr für die psychologische,
wissenschaftliche Selbsterkenntnis die
Selbstwahrnehmung, d. h. jenes natürliche reflexive
Bewußtsein seiner eigenen inneren
Lebendigkeit, das nur, wo es angebracht ist,
zur eigentlichen Selbstbeobachtung gegenwärtiger
Zustände gesteigert werden soll.
Ebenso wichtig aber und viel leichter möglich
ist die Analyse seiner Erlebnisse unmittelbar [1921-21]
nach ihrem Ablauf, gestützt
auf das noch
frische erinnernde Bewußtsein der eben verflossenen;
hier nämlich fallen jene Hemmnisse
der Selbstbeobachtung gegenwärtiger Eindrücke
zum Teil fort, während doch noch das
deutliche Bewußtsein derselben besteht."
34 "DritteSchwierigkeit: die wissenschaftliche
Festlegung seelischen Lebens.
Die seelischen Lebensvorgänge sind also
allein dem sie erlebenden [1921-22]
Subjekt
unmittelbar
zugänglich und auch von ihm nur unterSchwierigkeiten
zu beobachten. Die schwerste Aufgabe
aber wohl ist es, diese in uns selbst
wahrgenommenen seelischen Erscheinungen
durch ihre Eigenart angemessene Begriffe zu
fassen und durch verständliche sprachliche
Mittel darzustellen."
40f.1-2 "Will ich etwa den psychischen
Vorgang des Vergleichens untersuchen, so [>41]
werde ich mich nicht bloß an den Schreibtisch
seßen und mit den Erinnerungen an meine bisherigen
Vergleichserlebnisse [1921-23]
mich
begnügen
(obwohl auch so schon wichtige Wesensanalysen
möglich sind), sondern ich werde tatsächlich
Vergleiche in größerer Zahl absichtlich
ausführen und ausführen lassen, und zwar
unter zweckmäßig vereinfachten und variierbaren
Bedingungen und mich und andere dabei
beobachten, bzw. beobachten lassen. Damit
schon experimentiere ich, erzeuge ich mir absichtlich
und planmäßig mein Studienmaterial.
Abbruch 1921 Einführung
in die Psychologie
Werdegang und akademische Laufbahn
Kriegsjahre und spätere Entwicklung
1914-1918: Teilnahme am Ersten Weltkrieg als Soldat,
Auszeichnung mit dem Eisernen Kreuz II. Klasse .
1918: Lehrtätigkeit an der Universität
Dorpat (heute Tartu, Estland) .
Wirkungsstätte bis zu seinem Tod: Münster.
Philosophische Entwicklung und Position
1. Kritik an Husserl:
Brunswig übte Kritik an Edmund Husserls Konzept der "Wesensschau"
und dessen Evidenzbegriff. Diese Kritik war Teil der internen Diskussionen
in der frühen phänomenologischen Bewegung .
2. Kriegserlebnis als Wende:
Ein zentraler Wendepunkt in Brunswigs Denken war sein Fronterlebnis
im Ersten Weltkrieg. Dieses Erlebnis gab ihm nach eigenem Bekunden den
"Mut zur Metaphysik", also den Mut zu einer spekulativen, über die
reine Erfahrung hinausgehenden Philosophie. In der Folge wandte er sich
stärker metaphysischen und religiösen (Glauben) Themen zu .
3. Publikationen und thematische Breite:
Brunswigs Werk zeigt eine Entwicklung von frühen erkenntnistheoretischen
und psychologischen Studien hin zu metaphysischen und philosophiehistorischen
Themen.
1910: Das Vergleichen und die Relationserkenntnis
(Ihr Analyse-Gegenstand)
1914: Das Grundproblem Kants
1921: Einführung in die Psychologie
1922: Hegel
1925: Leibniz. Deutschlands universellster Geist
(darin wird betont der "germanische Denker" hervorgehoben)
1926: Das Gedächtnis und seine Erziehung
Kontext: Die München-Göttinger Phänomenologie
Brunswig war Teil der sogenannten "Münchner Phänomenologischen
Schule" . Diese Gruppe von Denkern (u.a. Alexander Pfänder, Max Scheler,
Adolf Reinach, Edith Stein) wurde zwar stark von Husserl inspiriert, entwickelte
aber eigenständige Positionen, insbesondere in der Realismus- und
Sozialphilosophie. Die Tatsache, dass Brunswig trotz seiner Kritik zu diesem
Kreis gezählt wird, unterstreicht seinen Rang als ernstzunehmender,
eigenständiger Denker in dieser Bewegung.
_
_
| Suchen in der IP-GIPT,
z.B. mit Hilfe von "google": <suchbegriff>
site:www.sgipt.org
z.B. Inhaltsverzeichnis site:www.sgipt.org. |
Copyright & Nutzungsrechte
Diese Seite darf von jeder/m in nicht-kommerziellen
Verwertungen frei aber nur original bearbeitet und nicht inhaltlich
verändert und nur bei vollständiger Angabe der Zitierungs-Quelle
benutzt werden. Das direkte, zugriffsaneignende Einbinden in fremde Seiten
oder Rahmen ist nicht gestattet, Links und Zitate sind natürlich willkommen.
Sofern die Rechte anderer berührt sind, sind diese dort zu erkunden.
Sollten wir die Rechte anderer unberechtigt genutzt haben, bitten wir um
Mitteilung. Soweit es um (längere) Zitate aus ... geht,
sind die Rechte bei/m ... zu erkunden oder eine Erlaubnis einzuholen.
korrigiert: