Internet Publikation für Allgemeine und Integrative Psychotherapie
(ISSN 1430-6972)
IP-GIPT DAS=27.1.2002 Internet-Erstausgabe, letzte Änderung: 08.06.15
Impressum: Diplom-Psychologe Dr. phil. Rudolf Sponsel  Stubenlohstr. 20  D-91052 Erlangen
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Willkommen in der Abteilung Allgemeine und Integrative Politische Psychologie, Bereich Finanzen, Finanzpolitik und Finanzwissenschaft hier zum Thema Werbung am Beispiel der Banken:

Werbungsmanipulation am Beispiel Deutsche Banken1) -
In dubio contra populum

Wie die Werbung unterstützt von Politik, Justiz und Geldmacht zum Schaden der VerbraucherIn und BürgerIn perfekt zusammenspielen

von Rudolf Sponsel, Erlangen

Überblick - Inhaltsverzeichnis
Einführung in die gesellschaftliche Seele der Wirtschaft: die Werbung am Beispiel Deutsche  Banken (EN1). Das neue Motto einer morbiden und maroden Republik: Leben Sie jetzt - zahlen Sie später oder nie.
Beispiele, Analyse und Kritik der Bankenwerbung am Beispiel von 16 Citibankprospekten.

Querverweise.


Das neue Motto einer morbiden und maroden Republik:
Leben Sie jetzt - zahlen Sie später oder nie

Einführung in die gesellschaftliche Seele der Wirtschaft: die Werbung am Beispiel Deutsche  Banken (EN1).

    Unsere Gesellschaft ist über weite Strecken eine Suchtgesellschaft: Konsumsucht, Alkohol- und Drogensucht, Geldausgebesucht, Kaufsucht, Renommiersucht, Prunksucht, Egosucht, Naschsucht, Zigarettensucht, Freßsucht, Scheinsucht, Großmannssucht, Besitzsucht, Habgier und Raffsucht sind offenbar wesentliche Stützen des Staates in der Gestaltung und Förderung des "Wirtschaftsrahmens". Der Seelenmotor dieser "Wirtschaftskonzeption", die im Grunde keine ist, ist die Werbung (Generalklausel § 3; Aufgabe). Diese soll hier am Beispiel der Citibank stellvertretend für alle deutschen Banken und Kreditinstitute und die Wirtschaft insgesamt einer polit-psychologischen Analyse und Kritik unterzogen werden.

    Und auch die Justiz hilft kräftig mit. Ein einzigartiger Filz der Geld-, Macht- und Medienoligarchie, die sich scheinheilig rechtsstaatliche Demokratie zu nennen pflegt, verblendet von der hohlen Ideologie Wachstum, Wachstum über alles, ohne alle Skrupel die Schwächeren oder Schlichteren zu verführen und auszubluten, wird mit einer einzigartigen verlogenen und sachlich falschen Werbepropaganda, wie sie für die gesamte Wirtschaft kennzeichnend und typisch ist, der Verbrauchergeist derart vernebelt, daß immer mehr ihren Lebenszweck und ihr Erwerbsdasein an Bank- und Wirtschaftsinteressen verlieren. Und die Justiz sorgt dafür, daß diese Ausbeutung und Lügenpropaganda auch rechtens und selbstverständlich "verfassungskonform" ist. Dafür war die Justiz schon immer bestens ausgerüstet: verfaulte Machtstrukturen abzusichern. Es gibt kein wichtigeres Recht kapitalistischer Marktgesellschaften, als die VerbraucherIn mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln zum Konsum zu drängen, ja sie davon abhängig zu machen. So wundert sich denn niemand, daß der Verbraucherschutz in dieser maroden Republik eine einzigartige Farce ist, wobei es ein ironischer Treppenwitz der Zeitgeschichte zu sein scheint, daß zur Zeit (01/2002) - wenn auch vermutlich nicht mehr lange - ausgerechnet die "Grünen" einem Ministerium vorstehen, das angeblich für den Verbraucherschutz zuständig sein soll. Nie wurde die VerbraucherIn mehr in die Irre geführt und nachgerade systematisch anmutend vergiftet durch Lebensmittel und Verbrauchsgüter wie in diesen Jahrzehnten der Konsum- und Globalisierungs-Antikultur.
    Oberste Aufgabe der Justiz scheint es in diesem Bereich daher zu sein, entsprechende "rechtliche" Rahmenbedingungen bereit zu stellen. Konkret heißt das: beim Werben darf nicht nur gelogen werden, daß sich die Balken biegen, nein, es ist geradezu Staats- und Justizaufgabe, den Konsum zu fördern, anzukurbeln, welch "Plempel" und Unsinn auch immer aufgeschwatzt wird, Hauptsache es wird gekauft, Hauptsache es wird gepumpt, Hauptsache Geld fließt, Hauptsache Wachstum und sei es auch noch so ein Blödsinn.

    Mit diesem System einher geht eine ebenso hemmungslose Staats- wie Privatverschuldung. Galt Deutschland einst vor 40 Jahren als Wirtschaftswunderland, so kann man es nun als Schuldenwunderland bezeichnen: die Banken machen's möglich, aber natürlich nicht allein: Verantwortungslose teilweise partiell geschäftsunfähig anmutende PolitikerInnen, Raffer, Korrupte und inkompetente Manager, Pseudo-Eliten noch und nöcher, haben sich verbündet, diesen Staat und die Anständigen zu schröpfen wie und wann es nur geht. Nichts bräuchte diese Republik daher so sehr, wie den Aufstand der Anständigen. Denn der einzigartige Missbrauch des Menschen als bloße Konsumratte und homo ökonomicus für eine maniforme Wachstumsideologie, die jede Bodenhaftung verloren hat, zerstört nicht nur die Natur und Ressourcen, sondern auch das Gemeinwohl, die Humanität und Zukunft, gefährdet alles, was Kultur und Zivilisation an Werten hervorgebracht hat.

Beispiele, Analyse und Kritik der Bankenwerbung am Beispiel Citibankprospekte 1)

    Eine zentrale und geradezu symptomatische Bedeutung nimmt daher die Werbung der Banken zur Handhabung des Geldes ein. Wir wollen daher im folgenden mit Beispielen der Citibank o.B.d.A. (EN), die für alle Bankengruppen und die Werbewirtschaft insgesamt stehen, psychologisch analysieren, was die psychologische Botschaft dieser Werbung ist. Unverständlich muß bleiben, wie das deutsche "Recht" solche exzessiven Irreführungen und manipulative Verführungen nicht nur dulden kann, sondern offensichtlich sogar unterstützt und fördert nicht nur durch Nachtwächterverhalten, Passivität und Gewährenlassen, sondern obendrein noch für Rechtens erklärt.


Leben Sie jetzt - zahlen Sie später
 
Hier wird ganz offen Lebensfreude und Partnerglück mit der Illusion verknüpft, daß es gar kein Problem sei jetzt richtig zu leben - was heißen soll Geld auszugeben - weil man ja ganz einfach später zahlen könne. Die Botschaft heißt, genieße den Augenblick mit Schulden. Zurückzahlen kannst Du ja ganz "einfach" später. Damit wird Leben auf Pump und Schuldenmachen mit Lebensfreude Glück und Liebe identifiziert. Es wird suggeriert, daß finanzielle KREDITFreiheit Lebensfreude, Glück, Liebe und Partnerschaft fördert. Wie viele Partnerschaften an ihren finanziellen Problemen zerbrechen, die so erzeugt werden, wird natürlich nicht mitgeteilt, ebenso wenig die gigantischen Probleme, die mit der öffentlichen und privaten Verschuldung einhergehen.


Sorgenfrei leben - auch wenn etwas dazwischenkommt
 
Hier wird mehrfach manipulativ suggeriert: (1) Es gäbe ein sorgenfreies Leben und damit implizit (2) ein solches wäre wünschenswert (was dazu führen würde, daß man sich nicht mehr bewähren und behaupten müßte und damit langfristig in die Gefahr geriete, ansprüchlich, träge, illusionistisch, verweichlicht und schwach zu werden). (3) "Dazwischenkommen" müsse nicht nur keine Sorgen bedeuten, sondern bedeute sogar ein glückliches Lebensgefühl, sofern eine Restschulden- Versicherung abgeschlossen wurde. Damit wird die Illussion genährt, man könne sich nicht nur gegen alles versichern, sondern dies sei auch sinnvoll und koste so gut wie nichts. 


Mit Sicherheit auf der Sonnenseite
 
Hier wird suggeriert, daß eine Kreditkarte mit Sicherheit auf die Sonnenseite des Lebens führt, wobei die Kosten und möglichen Folgen verschwiegen werden. Außerdem hat Sicherheit eine mehrfache Bedeutung und steht im krassen Widerspruch zu den Tatsachen, daß Verschulden eben nicht nur keine Sicherheit bedeutet, sondern auch erhebliche Belastungen und Kosten mit sich bringt. Im Falle der Staatsverschuldung des Bundes sind es im Jahre 2001 "nur bescheidene" 80 Milliarden Zinszahlungen, 1/6 des gesamten Bundeshaushalts gewesen. Die Rose als Symbol der Liebe und damit wesentlichen Lebensglücks hat nun mit Kreditkarte und Verschuldungsfähigkeit nicht nur gar nichts zu tun, sondern bedeutet als Sorge um die Tilgung einer Hypothek eher das genaue Gegenteil.


Nutzen Sie heute Visa - und machen Sie morgen etwas Verrücktes.
 
Kredite sind dazu da, etwas Verrücktes anstellen zu können. Klar, daß Verrücktes tun Geld erfordert. Die Suggestion von Luxus, Licht, Entspannung und Lebensfreude im verrückten Schaumbad assoziiert mit Kredit nährt die Illusion, man müsse mit Geld und Schulden verrückte Dinge tun können. Zum Un- und Außergewöhnlichen gehöre Geld, das man gar nicht wirklich zu haben braucht, Hauptsache, man hat Kredit. Irrational, spontan, verrückt handeln mit dem Medium Geld und Kredit wird hier als Lebenswert suggeriert, dessen Ziel offensichtlich einsam narzißtische und egozentrische Selbstverwöhnung in schaumbadiger Kerzenlicht- Umnachtung zu sein scheint.



Sofort Kredit
 
Sofort und gleich, niemals warten, jetzt, in diesem Augenblick, wann immer Du Geld brauchst, du kannst es sofort haben; es scheint auch nichts zu kosten und keinerlei Probleme mit sich zu bringen. Es bringt Dir ganz einfach und sofort Liebe, Partnerglück, unbefangene Freizeit und Urlaub in schönster Umgebung am Meer. Glück und Liebe auf Pump, sozusagen auf Zeit. Bezahlt wird, falls überhaupt, natürlich später, sonst macht es ja keinen wirklichen Spaß. Glück, Liebe, Urlaub, Freizeit: dafür braucht man Kredit, sofort, das ist die Botschaft der Ungeduld und der Impulsivität, die Verneinung jeglicher Frustrationstoleranz. 


Machen Sie Ihrem Partner einen Antrag
 
Hier wird suggeriert, mit noch mehr (Zusatzkarte, Gold)  Schuldenmachen können, mit noch mehr Kreditfähigkeit, ist man sogar - endlich - in der Lage, seiner PartnerIn einen Antrag machen zu können. Liebe und Partnerglück werden mit Geld und Kreditrahmen verknüpft. Hieß es früher: Kannste was, haste was und haste was, biste was, so lautet dieses Motto nun: scheinste was, schuldeste was, dann biste was. Der Kredit erst, die Schulden machen Dich zum vollwertigen Menschen. Kannst Du Schulden machen, kannst Du glücklich sein. Das für Dispokredite um 15% (01/2002) und mehr wucheranmutende Zinsen zu bezahlen sind, wird natürlich nicht gesagt.


Macht flexibel. Ist Flexibel ... Sofort Kredit
 
Die Suggestion verknüpft Freiheit, Mut, ja Tollkühnheit, Abenteuer, Macht, Jugend, Stärke und Flexibilität mit dem Sofort-Kredit. 

Hier werden Annehmlichkeiten ohne Kosten, ohne Konsequenzen in illusionistischer Manier suggeriert. 

Mit dem Bank-Sofortkredit im freien Fall über den Wolken, jenseits aller Naturgesetze, abgehoben von jeder Realität. Die Einseitigkeit scheint wie der Himmel der Präsentation grenzenlos. 
 
 
 
 


Sofort Kredit. Einfach flexibel, so spontan wie das Leben.
 
Der Sofort Kredit scheint ebenso flexibel und plötzlich, "spontan wie das Leben" verfügbar. Er scheint nichts zu kosten, er scheint nicht zurückzahlbar, das Objekt der Begierde, hier eine Couch in der Farbe des Lebens und der Liebe, ist sofort, ganz spontan zu haben. Keine Sicherheiten, keine Prüfungen. Jeder kann den Sofort Kredit haben, doch wer zahlt die Pleiten? Darüber erfahren wir nichts. Sich auf Pump etwas leisten können, sofort und beliebig, "einfach flexibel, so spontan wie das Leben" lautet diese Suggestion. Alles, besonders der Pump, ist ganz einfach, mühelos, selbstverständlich. 


Richtig gut einkaufen. Auf nichts verzichten.
 
In diesem Werbebild gibt es keine Suggestion zum Schulden machen. Aber die Suggestion Auf nichts verzichten ist im Grunde ein Eingriff in die persönliche Autonomie und die Förderung einer Einstellung, die den Tatsachen und aller Lebenserfahrung widerspricht. 

Zudem wird der Eindruck erweckt, daß "richtig gut einkaufen" alles (= auf nichts verzichten) sei. Die Botschaft lautet: Geld, nicht unbedingt Bargeld, bedeutet alles, indem mit ihm "richtig gut einkaufen" und damit "auf nichts verzichten" möglich werden soll. Kaufen, Konsum und Geld wird damit ins Zentrum des Lebens gestellt.
 


... wenn man alle kaufen kann
 
Die Suggestion legt eine finanzielle Allmachtsillsuion nahe: man könne alle Immobilien kaufen, auch wenn damit Fondanteile gemeint sind. 

Der Anlagegesichtspunkt wird dem natürlichen Wohnbedürfnis vorangestellt. Die Vielzahl der Schlüssel suggeriert, als hätte man tatsächlich viele Immobilien, tatsächlich geht es aber um Anteile. Es wird suggeriert, daß man mit dem Fond mehr hat, als man sonst hat: "alle kaufen". Von Agio, geringer Rendite und möglicherweise hohem Risiko (z.B. neue Länder) erfährt man in dieser Botschaft nichts. 
 


Jetzt wird Shopping im Bahnhof noch bequemer
 
Hier wird suggeriert, es sei erstrebenswert, in allen nimm's mit ... Shops noch bequemer einkaufen zu können. Implizit wird Bequemlichkeit als Lebens- und Selbstwert verkauft. Wer nämlich über eine solche Kreditkarte einkaufen kann und darf, könne sich als eine Besondere fühlen. Daß die Karte und ihre Nutzung auch etwas kosten und eine ganze Reihe von Nachteilen mit sich bringen kann, erfährt man hier nicht. 


Sofort Kredit  ... und Geld in der Tasche. Das nenne ich Freiheit.
 
"Wind in den Haaren und Geld in der Tasche. Das nenne ich Freiheit!" Schönheit, Lebensblüte, Lachen, Lebensfreude werden mit dem Sofort Kredit verknüpft. Im allgemeinen bedeuten Schulden keine Freiheit, sondern Bindung und Verpflichtung. Es wird also genau das Gegenteil von dem suggeriert, was die Realität ist. Zudem wird die Illusion genährt, daß Schuldenmachen mit Sofortkrediten Freiheit, Schönheit, Lebensblüte und Lebensfreude hervorrufen. Das mag zwar für den Moment und kurze Augenblicke richtig sein, aber nicht für die mittlere und lange Sicht. Von den Kosten und Folgen erfährt man in diesem Bild auch nichts. 


Und meine Bank trägt das Risiko
 
"... und meine Bank trägt das Risiko." Eine ganz offensichtliche irreführende Falschsuggestion. Daß sie es sich teuer bezahlen läßt und daß dies natürlich die KundInnen bezahlen, ist die Wahrheit. Hier wird die Illusion erzeugt, als seien unternehmerische Investitionen ohne jedes Risiko, weil es die Bank trage. 

Der KundIn wird vorgegaukelt, die Bank verschenke nicht nur etwas, sondern es gäbe auch eine neue Schlaraffenland Wirtschaftsordnung. 

"Nur bis zum April ..." Damit wird Druck gemacht, daß man sich schnell entscheiden müsse, sonst gehe einem die grandiose Gelegenheit verloren. 


Mit kostenlosem Kontowechsel-Service
 
Die Suggestion besagt: Wer über das "Formel 1 Girokonto" verfügt, kann die Augen beruhigt und - quasi im blinden Vertrauen - selig lächelnd über Schmetterlinge schließen, zumal ein "Kostenloser Kontenwechsel Service" dafür sorgt, daß man ohne jegliche Kosten in den Genuß eines solchen Formel 1 Girokontos kommen kann, womit offenbar die Spitzenliga der Girokonten behauptet wird. Die meisten anderen befinden sich damit implizit in niederen Rängen. 

Bei einem "Formel 1 Girokonto" sollte die "Zinspost" nur so abgehen: 2 % - ab der ersten Mark wird versprochen, keine Kosten, keine Gebühren, keine Gegenleistung schwingt mit. 
 


Alles ist drin!
 
"Alles ist drin!" Diese vieldeutige und mehrfach falsche Suggestion nährt die illusionistische Wunschvorstellung: Alles ist möglich, alles geht, alles ist machbar. Sie knüpft an tiefsitzende Allmachtswunschphantasien an und gaukelt vor, mit Kreditkarte, Geld, Schulden könne alles, was das Herz begehrt, bewirkt werden. Die Botschaft dieser Suggestion ist natürlich falsch und zudem paradox zum Bildinhalt - in einer konkreten Schachtel kann nicht alles drin sein - , was zu einer Verstärkung der Wirkung führen kann, weil paradoxe Verstrickungen mit einer besonderen Bindung einhergehen können. Die beiden suggestiv- irrationalen Zentralanker sind alles und drin.
 
 

 



Wir übernehmen das Risiko
 
Im Prinzip die gleiche Botschaft und die gleiche Irreführung wie in "... und meine Bank trägt das Risiko". Wenn die Bank eine Sicherheit garantiert, dann kostet diese Sicherheit etwas und diese Sicherheit bezahlen im allgemeinen nicht die Aktionäre der Bank, sondern die KundInnen. Das aber wird hier verschleiert. Es wird - ausgerechnet im Kontext Börse - suggeriert, als gäbe es ein Börsenengagement, das ohne jedes Risiko sei. Schon die Verknüpfung Börse und risikolos ist eine grobe und m. E. sittenwidrige Irreführung. Hier wird nämlich die allgemeine Botschaft verkündet, Börsengeschäfte könnten auch risikolos sein. Das aber ist nicht möglich. Bestenfalls schein-risikolos mag ein spezielles Geschäft mit der Bank sein. Dann muß dies aber in der Werbung auch zum Ausdruck kommen. Eine korrekte Information wäre wohl: Wir haben für Sie einen Anlageweg fast ohne Risiko, es sei denn, wir gehen in den Konkurs oder es droht Inflation, doch je sicherer die Anlage, desto geringer die Rendite.



Zusammenfassende Kritik
 




Forderung: Information statt Werbung und Werbeverbot

Die Werbung ist weitestgehend auf Irreführung und Manipulation der VerbraucherIn aufgebaut und gehört daher als Verstoß gegen die guten Sitten verboten. Das sog. Wettbewerbsgesetz ist daher abzuschaffen und durch ein Informationsgesetz für die Wirtschaft (InfGW) zu ersetzen, das die VerbraucherIn vor Irreführung und Manipulation schützt mit den beiden Schwerpunkten:
 



Querverweise
Externe Literatur- und Linkliste Werbung und Verbraucherschutz




Anmerkungen und Endnoten
Deutsche Banken heißt hier Banken und Kredit-Institute in Deutschland.


Citibank: Daß ich die Citibank ausgewählt habe, hat rein praktische Gründe. Ich habe dort ein Konto, bin auch ganz zufrieden und bekomme regelmäßig Prospekte, die meine Frau gesammelt hat. Dadurch hat sich im Laufe der Jahre eine interessante Sammlung ergeben, die es mir nun einfach machte, diese Beispiele zu präsentieren. Allerdings war erst ein Briefwechsel nötig, um der Citibank klar zu machen, daß ich einen viel niedrigeren Kreditrahmen wünschte ;-) als sie mir einräumten, um möglichen Schaden bei falschen Internetabbuchungen zu begrenzen.



Paradebeispiel Justiz:
 
Werbung mit schockierenden Bildern nicht verfassungswidrig. Werbung mit schockierenden Bildern von ölverschmierten Enten, Kinderarbeit oder Aids-Kranken ist erlaubt. 

Quelle: BVG 2000-12-12 BVR 1762/95 Rechtsbereich/Normen: Einstellung in die Datenbank: 2001-01-24. Bearbeitet von: Markus Baum  Quelle: NJW 2001 91: http://www.wdr.de/tv/recht/urteile/leitsatz/rl02047.html


Irle, Martin & Bussmann, Wolf (1983, Hrsg.). Marktpsychologie. Handbuch der Psychologie, 12. Band, 2. Halbband. Göttingen: Hogrefe. Hier: Bernd Six, Kap. 5.3 S. 353:
"Werbung als Persuasion und Manipulation des Konsumenten, die Kaufentscheidung für ein Produkt zu beeinflussen, ist immer auch der Gefahr ausgesetzt, Werbemittel und Werbemaßnahmen einzusetzen, die unzulässigerweise zur Absatzsteigerung beitragen und als unlauter eingestuft werden.
    Das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG), das in seiner jetzigen Fassung auf eine Version aus dem Jahre 1909 zurückgeht, enthält in seiner »Großen Generalklausel« des §1 eine weitläufig interpretierbare Schutzbestimmung vor Mißbrauch: »Wer im geschäftlichen Verkehre zu Zwecken des Wettbewerbs Handlungen vornimmt, die gegen die guten Sitten verstoßen, kann auf Unterlassung und Schadenersatz in Anspruch genommen werden." Das UWG, einschließlich seiner Nebengesetze, zu denen vor allem das Rabattgesetz und die Zugabeverordnung gehören, schützt weitaus mehr die Mitbewerber als die Konsumenten. Es gibt jedoch eine ganze Reihe weiterer Gesetze und Verordnungen, die als Schutzbestimmungen des Verbrauchers entworfen sind und sich dabei auf den Inhalt und die Gestaltung werblicher Aussagen beziehen, auf bestimmte Güter und ihre Anbieter, auf das Medium, mit dem geworben wird, auf den Adressatenkreis, auf die äußeren Gegebenheiten, unter denen geworben wird, und auf die Dauer und den Umfang einer Werbemaßnahme. So spricht das Heilmittelgesetz ein Verbot der an Kinder und Jugendliche gerichteten Werbung für Pharmazeutika aus, das Lebensmittelgesetz verbietet die Fernseh- und Rundfunkwerbung für Tabakerzeugnisse, die Landespressegesetze regeln die deutliche Kennzeichnung von Anzeigen zum übrigen Text- und Bildteil (weitere gesetzgeberische Maßnahmen sind bei Kaiser (1980, S. 42f.) übersichtlich zusammengestellt). Vor allem die als »Kleine Generalklausel« des UWG bezeichnete Fassung des § 3 zur irreführenden Werbung macht deutlich; daß zwar einerseits der Gesetzgeber versucht, (legale) Normen zum Schutz des Verbrauchers aufzustellen, diese (legalen) Normen bei der Überprüfung ihrer Adäquanz bzw. Inadäquanz soziale Normen und Verhaltensweisen betreffen, die schwer operationalisierbar sind und deren Verbindlichkeit aufgrund der bestehenden Interessenunterschiede nur selten wechselseitig anerkannt werden.
§ 3 'Wer im geschäftlichen Verkehr zu Zwecken des Wettbewerbs über geschäftliche Verhältnisse, insbesondere über die Beschaffenheit, den Ursprung, die Herstellungsart oder die Preisbemessung einzelner Waren oder gewerblicher Leistungen oder des gesamten Angebots, über Preislisten, über die Art des Bezugs oder die Bezugsquelle von Waren, über den Besitz von Auszeichnungen, über den Anlaß oder den Zweck des Verkaufs oder über die Menge der Vorräte irreführende Angaben macht, kann auf Unterlassung der Angaben in Anspruch genommen werden.'"


Richter, Hans Jürgen (1977). Einführung in das Image-Marketing. Feldtheoretische Forschung. Stuttgart: Kohlhammer (Urban TB). Hieraus: Aufgabe der Werbung S. 88f: "Aufgabe der suggestiven Öffentlichkeitsarbeit und Werbung ist es darum, Zugriff auf die in der Öffentlichkeit wirkenden Informationsfelder zu erlangen. Die suggestive Öffentlichkeitsarbeit und Werbung ist eine zentrale Führungsaufgabe des Topmanagements, nicht nur in einer Gesellschaft, in der Lebensfähigkeit eher vom Schein als vom Sein bestimmt wird und in der Gefühle mehr gelten als Fakten, sondern auch in unserer Gesellschaft.
    Wer glaubt, allein durch »Fakten« sich im Feld behaupten zu können, und wer glaubt, auf suggestive Öffentlichkeitsarbeit und Werbung verzichten zu können, der wird in kurzer Zeit zumindest in den Sozialfeldern der Politik, Wirtschaft und Verwaltung in seiner Existenz bedroht sein, denn mächtige Meinungsfronten, mit nicht problematisierten suggestiven Symbolen in der Öffentlichkeit vom Gegner aktualisiert, zwingen selbst das leistungsstärkste Unternehmen und Produkt zur Aufgabe. Dafür könnte hier eine Fülle von Beispielen gegeben werden.
    Die suggestive Öffentlichkeitsarbeit und Werbung konzentriert sich vorwiegend auf Opinionleader im sozialen Feld. Besonders wirtschaftliche Unternehmen sind auf diese Öffentlichkeitsarbeit und Werbung angewiesen, weil Wirtschaft im gesamtgesellschaftlichen Prozeß integriert ist.
    Volkswirtschaftliche Abläufe sind mit psychischen und sozialen Faktoren interdependent verbunden, deren Veränderungen gewaltige Kettenreaktionen auslösen können. Darum ist die suggestive Beeinflussung von Informationsfeldern in der Öffentlichkeit eine zentrale Führungsaufgabe. Neben der Werbung und Öffentlichkeitsarbeit umfaßt sie alle Aktivitäten eines Unternehmens, die der Erstellung von Informationsfeldern dienen und innerhalb derer die Unternehmensziele verwirklicht werden können.
    Insofern hat sich die Werbung und Öffentlichkeitsarbeit dem gesamten Image-Marketing anzupassen und unterzuordnen. Vor diesem suggestiven Zugriff auf die unterschiedlichsten Informationsfelder in der Öffentlichkeit, der selten in Globalstrategien erfolgreich ist, gilt es, mit Hilfe der feldtheoretischen Forschung das differenzierte soziale Vorstellungsfeld der Zielgruppen sichtbar zu machen."



Alles ist möglich. Im Kontext Werbung hierzu Richter (1977, S. 12):
 
"Wozu Menschen in ihrem Verhalten gebracht werden können durch geeignete Situations- bzw. Feldgestaltung, ist eine zentrale sozialwissenschaftliche Frage von eminent praktischer Bedeutung. Eine unübersehbare Anzahl experimentalpsychologischer Versuche z.B. Iegt die Vermutung nahe, daß Menschen zu jedem denkbaren Verhalten gebracht werden können, zu dem sie fähig sind, wenn es gelingt, das entsprechende soziale Feld zu erzeugen."


Kaiser, Andreas (1980, Hrsg.). Werbung. Theorie und Praxis werblicher Beeinflussung. München: Vahlen.
Das Buch enthält zwar eine Auflistung vieler Gesetze und Verordnungen, die die Werbung "regeln" sollen, aber - und das sagt ja auch viel - so gut wie keine Inhalte, was denn nun genau geboten, verboten und erlaubt ist. Das scheint ein einzigartiger Gummi zu Gunsten der Werbung und Wirtschaft und zum Schaden der VerbraucherIn und der Menschen zu sein.


Zitierung
Sponsel, Rudolf (DAS). Werbungsmanipulation am Beispiel Deutsche Banken - In dubio contra populum
Wie Politik, Justiz, Geld und Werbung zum Schaden des VerbraucherIn und BürgerIn perfekt zusammenspielen. IP-GIPT. Erlangen: http://www.sgipt.org/politpsy/wirts/werb/bankwerb.htm
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