Internet Publikation für Allgemeine und Integrative Psychotherapie
    (ISSN 1430-6972)
    IP-GIPT DAS=03.10.2000 Internet-Erstausgabe, letzte Änderung: 02.06.15
    Impressum: Diplom-PsychologInnen Irmgard Rathsmann-Sponsel und Dr. phil. Rudolf Sponsel
    Stubenlohstr. 20     D-91052 Erlangen * Mail:_sekretariat@sgipt.org_ Zitierung  &  Copyright
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     (noch nicht abschließend korrigierte Test- und Arbeits-Version)
    Willkommen in der Psychotherapieforschungsabteilung der GIPT, hier:

    Meta-Analyse
    Was sind und was sagen Meta-Analysen aus?

    Definition Einführung Delta=EffektstärkeParadigma: Forschungs-Design GIPT'sches Rasiermesser  Kritische Prüffragen

    von Rudolf Sponsel, Erlangen

    Aus (Lit p. 29)     [Erl. FN02]

    Interpretation nach der Putzfrauenregel (GIPT'sches Rasiermesser)


    Einführung: Ein Gespenst geht um in der Psychotherapieforschung: Meta-Analysen.

        Eine neue Zauberformel für die Psychotherapieforschung wurde 1977 von den pragmatisch führenden Amerikanern Smith & Glass erfunden. Seither, kann man sagen, geht ein neues methodologisches Gespenst um in der Wirkungsforschung: sog. Meta-Analysen. Mit fatalen Folgen für die Zulassungspraxis von Psychotherapieverfahren: wer in Metaanalysen nicht gut abschneidet, hat wenig Aussicht auf Erfolg. Das ist der Fluch des Pragmatismus: die Verführung, die Machen, Handeln, Rechnen können mit sich bringt, egal was sie bedeuten, egal ob sie begründet oder gerechtfertigt sind. Da stehen irgendwann Werte im Raum, die von niemandem mehr kritisch hinterfragt werden und entfalten ihr fatales Eigenleben.

        Um gute Effektstärken zu bekommen, muß man in Psychotherapie- Wirkungs- Untersuchungen also darauf schauen, daß man hohe Mittelwerte in den Wirkungsmaßen erzielt. Diese Methode führt zu einer Reihe von Problemen, die leider von den Meta- Analyse- AnwenderInnen - so auch nicht mehr von Grawe et al. (1994) - kritisch problematisiert werden. Das ist insofern sehr ärgerlich und unkollegial, weil viele PraktikerInnen sich bei fix und fertig gestylten Präsentationen kein eigenes Bild mehr machen können, weil die methodischen Prozeduren und ihre Ergebnisse nicht richtig beurteilen können. Manche ForscherInnen gefallen sich in der Rolle einer überlegen Wissenden.
        Auf diese wenden wir das
     
    GIPT'sche Rasiermesser ("Putzfrauen-Test PUK") an: Jemand hat einen Sachverhalt nur dann selbst richtig verstanden, wenn er ihn seiner Putzfrau erklären kann (Bsp.). Und damit sollte er ihn auch uns erklären können. Siehe bitte auch: Hilberts gemeinverständliches Rasiermesser 1900, zu dem auch gut die Einstein zugeschriebene Sentenz passt: "Die meisten Grundideen der Wissenschaft sind an sich einfach und lassen sich in der Regel in einer für jedermann verständlichen Sprache wiedergegeben." 

    Prüffragen von PraktikerInnen an Meta-AnalytikerInnen und PsychotherapieforscherInnen

    Prüffragen zum Skalen- und Meßniveau

  1. Sind die meßtheoretischen Voraussetzungen für die Mittelwertbildung der Zahlen, also Intervallskalen, erfüllt?
  2. Falls es sich um keine Intervall- bzw. Verhältnisskalen  handelt, ist problematisiert und begründet worden, weshalb arithmetrische Prozeduren angewendet werden, deren Voraussetzungen nicht als erfüllt gezeigt werden konnten?
  3. Falls es sich um keine Intervall- bzw. Verhältnisskalen handelt (wie gewöhnlich und meist), werden Begründungen geliefert, weshalb man Prodeuren durchführen darf als ob die Werte Intervall- und Verhältnisskalenniveau hätten?

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    Prüffragen zur Verarbeitung und Vergleichbarkeit der Zahlenwerte
  5. Ist und wie ist sicher gestellt worden, daß die unterchiedlichen Maße verschiedener Stichproben, in ein vergleichbares äquivalentes Maß transformiert wurden?
  6. Sind die Mittelwertbildungen der Veränderungsmaße vernünftig begründet?
  7. Sind die Mittelwertbildungen der Veränderungsmaße zwischen Behandlungsgruppe und Kontrollgruppe vergleichbar?
  8. Sind unterschiedliche Anzahlen der Veränderungsmaße bei den Mittelwertbildungen fair normiert worden?
  9. Ist gewährleistet und dargestellt, daß angemessene Verarbeitungsprozeduren gewählt wurden z. B. bei abhängigen Maßen, also mehreren Werten der gleichen Stichprobe?
  10. Sind die Informations-Güte-Kriterien kritisch thematisiert worden:
  11. Prüffragen zu statistischen Schlüssen
  12. Sind verteilungsmäßigen Voraussetzungen - meist Normalverteilung - von Prozeduren geprüft worden?
  13. Ist sicher gestellt worden, daß die Schlüsse, die aus Prozeduren gezogen werden, auch tatsächlich gerechtfertigt sind? So sind z. B. bei Signifikanztests oft Zufallsauswahlen Voraussetzung.
  14. Ist die Gültigkeit (externe Validität, Verallgemeinerbarkeit) der Aussagen klar thematisiert worden?
  15. Signifikanztests führen im besten Fall zu völlig unspezifischen Allerweltsaussagen des Typs Wert x unterscheidet sich von Wert y "signifikant", was so gut wie nichts besagt. Kann die PsychotherapieforscherIn genau und verständlich erklären, was "signifikant" genau heißt, insbesondere für den Einzelfall?
  16. Wurden Angaben zur praktisch-relevanten Signifikanz (Bedeutung, Nutzen, Brauchbarkeit, Anwendung) gemacht?
  17. Wenn mit den Untersuchungsergebnissen Prognosen oder Zukunftsorientierungen  erfolgen, muß Parameterkonstanz (Ergodizität) vorausgesetzt werden. Ist dieses Thema angeschnitten und problematisiert worden. In Kultur und Gesellschaft findet stets ein Wandel statt, daher kann hier nicht wie in der Natur und in den Naturwissenschaften ohne weiteres von Parameterkonstanz (Ergodizität) ausgegangen werden.

  18. _


    Literatur zu Meta-Analysen


    Glossar, Anmerkungen und Endnoten
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    GIPT= General and Integrative Psychotherapy, internationale Bezeichnung für Allgemeine und Integrative Psychotherapie.
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    1) Mit dem griechischen Buchstaben Theta J   (nach Jerapeia (therapeia): Heilung) kennzeichnen wir Psychische Funktionen, wenn sie Heilmittel oder Heilwirkfaktoren Qualität (Funktion) annehmen,  z. B. J einsehen,  J zulassen unterdrückter Erinnerungen, J stellen (konfrontieren), J sich  überwinden und J mutig sein, J differenzieren, J entspannen, J lernen, J loslassen, J beherrschen ... Und um deutlich zu machen, daß wir ein Wort nicht alltagssprachlich, sondern im Rahmen einer psychologisch-psychotherapeutischen Fachsprache verwenden, kennzeichnen wir das Wort mit dem griechischen Buchstaben (Psi, mit dem das griechische Wort für Seele =  yuch, sprich: psyche, beginnt). Störungs Funktor. Begriffe, die eine Störung repräsentieren sollen, kennzeichnen wir mit dem Anfangsbuchstaben Tau (t) des griechischen Wortes für Störung tarach (tarach). Viel Verwirrung gibt es in und um die Psychologie, weil viele ihrer Begriffe zugleich Begriffe des Alltags und anderer Wissenschaften sind. Um diese babylonische Sprachverwirrung, die unökonomisch, unkommunikativ und entwicklungsfeindlich ist, zu überwinden, ist u. a. das Programm der Erlanger Konstruktivistischen Philosophie und Wissenschaftstheorie entwickelt worden: Kamlah & Lorenzen (1967). Zu einigen psychologischen Grundfunktionen siehe bitte: vorstellen. Ausführlich zur Terminologie. ___
    2) "The average effect comparing therapy and control groups was .86 sigma_x, the average subject who received psychotherapy was at .86 standard deviation above the mean of the untreated controls. (The standard deviation of the 22 effect size measures is sigma_delta  = .400; thus, the 95% confidence interval of the true average delta  is .86 +- [1.96 (.400)]/ SQR(22) = (.69, 1.03). It follows that the average therapy subject exceeds 80~o of the untreated controls on the aggregate outcome variables." (Sonderzeichen von mir angemessen sprachlich ausgedrückt: Standardabweichung =: Sigma. Deltadreieck =: Delta. Aus (p. 29).
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    3)Interpretation nach dem GIPT'schen Rasiermesser (Putzfrauenregel): Beispiel 1): Mit einer Leistungsfähigkeit von Rang 80 in
    der zweiten Olympiamannschaft, würde man in der 1. Mannschaft nur einen Rangplatz von 50 erreichen (weil in der 1. Mannschaft
    eine höhere Leistungsfähigkeit vorliegt).  Beispiel 2):  Während man in der 5. Hauptschulklasse mit 1.50 m schon einen Rangplatz von 80 erreichen kann, landet man mit dieser Größe in der 6. Klasse nur auf dem Rangplatz 50 (weil die Kinder in der 6. Klasse größer als in der 5. Klasse sind). Beispiel 3) Wenn man in einer Gruppe von Unbehandelten mit seinem Gesundheitswert schon den Rangplatz 80 erhält, bekommt mit diesem Wert in der erfolgreich behandelten Gruppe nur den Rangplatz 50 (weil erfolgreich Behandelte höhere Gesundheitswerte haben).
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    Änderungen - wird unregelmäßig überarbeitet; kleine Änderungen werden nicht extra dokumentiert
    15.09.06    Links, Layout.


    Querverweise
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    Zitierung
    Sponsel, R.  (DAS). Meta-Analyse: Was sind und was sagen Meta-Analysen aus? Internet Publikation  für Allgemeine und Integrative Psychotherapie  IP-GIPT. Erlangen:  http://www.sgipt.org/wisms/ptf/ma0.htm
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